Berlin, Berlin, ich war in Berlin

Durch eine glückliche Fügung konnte ich ein paar Tage nach Hamburg auch noch einen Kurztrip nach Berlin unternehmen. Auch hier ist die Bierszene im Aufbruch. An jeder Ecke Craftbier, viele Englische und Amerikanische Einflüsse, viel IPA und Pale Ale. Aber nun mal von Vorne: als Erstes habe ich mir eine Craftbierführung für den ersten Abend gebucht. Dachte mir das kann ja ganz Lustig werden. Was ich wieder mal nicht gelesen habe war, dass die Tour auf Englisch war. Kein Problem, der Führer wird schon deutsch verstehen und wenn nicht, mit meinem Englisch bin ich bisher auf der ganzen Welt zurecht gekommen. Nach meinem Besuch der Reichstagskuppel (sehr zu Empfehlen, am Besten aber zur Blauen Stunde so kurz vor Sonnenuntergang) hatte ich etwas Zeit zur Bierführung. Also erst mal ein Berliner Einheitsbier trinken: Berliner Pilsener aus der Berliner Kindl Brauerei, Radeberger Gruppe, also Dr. Oetker. Zur Vorbereitung habe ich mir ein paar Verkostungsbogen des deutschen Brauerbundes ausgedruckt. Somit erster Test an diesem Pilsener.
Berliner Pilsener
Das Ergebnis: Feinporiger Schaum, haftet am Glas, Farbe zwischen Gelb und Gold, blankes Bier (sollte man bei so einer großen Brauerei erwarten), der Geruch ist sehr wenig, leicht hopfig. Der Antrunk ist sortentypisch schlank, die Rezenz für mich relativ herb mit feinherben Nachtrunk. Gar nicht so schlecht sich an so einem Bogen zu Orientieren. Fazit ist für mich: als Durstlöscher ok. Dann Abends die Führung. Eine glückliche Fügung war der Treffpunkt genau vor meinem Hotel. Es hat sich dann herausgestellt, dass die ganze Gruppe aus einem Amerikanischen Ehepaar aus Arizona, mir und dem Führer aus Boston bestand. Auch der Führer lebte schon mehr als ein Jahr in Deutschland doch sprach fast kein Wort. Die erste Station war das Brew Dog in Berlin Mitte. Welche Biere genau es gab weiß ich nicht mehr, da es zum schreiben zu dunkel war und eine genaue Beschreibung vom Führer nicht zu bekommen war. Das erste war jedenfalls ein Schönramer Pils, also was aus Bayern, gebraut von einem gebürtigen Amerikaner. Dann kamen IPS, Pale Ales und ein Dubel.
In der Kaschk Bar
Danach waren wir im Kaschk, eine Bar mit norwegischen Craftbieren vom Fass. Hier bekamen wir als erstes eine Berliner Weisse mit Roten Johannisbeeren, dann ein heftiges IPA. Ich hab dann och ein Steinbier Pale Ale probiert. Der Abschluss war dann in der Circus Microbrewery mit einem Pils. Das Witzige ist daran dass gleich nebenan das offizielle David Hasselhoff Museum in Berlin ist.
Brauhaus am Alex
Am zweiten Tag habe ich mir vorgenommen mindestens drei Brauereien oder Craftbierbars zu besuchen. Das erste war das Brauhaus Lemke direkt am Alexanderplatz, 100 m vom Bahnhof. Hier war eine ganz schöne Auswahl von Bieren am Hahn, auch eine Bierprtobe mit sechs unterschiedlichen Bieren. Also hab ich mir die mal geordert zum Probieren.
Bierprobe
Die Probe kam auf einem Holzbrett mit jeweils einer Beschreibung für jedes Bier. Ist zwar sehr viel Lobhuddelei, aber als erste Orientierung ganz ok. Also als erstes das Böhmische Pils, mit 35 IBU etwas hopfiger als die meisten Industriepilsener. Die Farbe war Bernstein mit leichter Trübung, also nicht gefiltert, der Schaum stabil. Der Geruch war frisch und Malzig, der Antrunk Herb mit feinen Fruchtnoten. Die Rezenz hatte feinherben Hopfen und eine gewisse Malzigkeit auf der Zunge, die im Nachtrunk feinherb im Mund lag. Alles in allem ein guter Vertreter seiner Art. Das Nächste war ein Pale Ale mit der Bezeichnung 030. Mit 30 IBU etwas weniger Gehopft als das Pils. Die Farbe war ein trübes Orange, der Schaum war für ein Ale ok. Im Geruch war die Fruchtigkeit auffällig, der typische Geruch nach C-Hopfen, was der Antrunk bestätigt hat, mit einer leichten Malzsüße die nicht störte. Die Rezens war ausgewogen mit relativ wenig Kohlensäure. Im Nachtrunk blieb der feinherbe Eindruck mit der Frucht noch auf der Zunge. Bei der nächsten Probe steht der Name „Original“, was ein Wiener Lager darstellen soll. Für den Stil ist es mir jedoch zu dunkel. Es hat fast keinen Schaum, der Geruch ist nach Münchner Malz, sehr Malzig, was sich auch im Antrunk fortsetzt. Die Rezenz ist etwas Süßlich, nicht sehr hochvergoren trotz 5,4% Alkohol, der Abgang schmeckt nach Malzbonbon. Es ist nicht schlecht, aber hier hätte etwas mehr Hopfen gut getan. Das nächste Bier ist ein Weizen womit ich bei Norddeutschen Brauereien meistens meine Probleme habe. Die Farbe wie dunkles Gold passt schon mal, der Geruch ist etwas Estrig, erinnert an vollreife Birne, der Schaum ist ok. Im Antrunk hat man Nelke und Banane auf der Zunge aber auch merklich Hopfen. Im Geschmack überwiegt dann die Banane und etwas reife Birne, im Abgang ist es aber relativ Herb – Süsslich. Es ist nicht schlecht aber mir persönlich gefallen andere Weizenbiere besser. Die Probe die als Vorletztes vorgesehen ist ist ein etwas andere Bierstil. Ein Weizenbock mit viel Hopfen soll es sein. Der Schaum ist gut haltbar und feinporig, die Farbe erinnert an Bernstein und ist gleichmäßig trüb. Der Geruch ist hopfenaromatisch und etwas süßlich. Im Antrunk kommt dann der Bock durch mit malzigem Aroma und richtig schwer auf der Zunge. Die 40 IBU sind gar nicht so sehr zu merken. Die Rezenz ist alkoholisch mit einer leichte süße, der Nachtrunk ist kräftig betont mit etwas herbe aus dem Hopfen. Ist ein Interessantes Bier, würde ich mir aber so nicht bestellen. Am Schluss ist noch ein IPA auf dem Probenbrettchen. Ohne geht es ja bei einer echten Craftbierbrauerei nicht, obwohl ich finde dass hier mit 60 IBU und 6,5% Alkohol ein verhältnismäßig derzenter Vertreter vor mir stand. Der Schaum ist gut haltbar, die Farbe goldbraun und gleichmäßig Trüb mangels Filtration. Der Geruch ist typisch für ein obergäriges Bier mit vielen Aromahopfen. Das merkt man im Antrunk der sehr Hopfenbetont auf der Zunge liegt, beim Trinken kommt dann noch etwas Malzaroma hinzu, der NAchtrunk bleibt mit C-Hopfen lange auf der Zunge. Ein gutes IPA für alle die wie ich zwischendurch gerne mal eines Trinken. Zwischendurch habe ich auf einer Bootsfahrt auf der Spree ein Bier aus der großen Berliner Einheitsbrauerei getrunken: den Märkischen Landmann, soll nach der Karte ein Schwarzbier sein. Also von der Farbe her hat es gepasst mit einem tiefen Schwarz – Braun, doch Schaum hat er wenig. Der Geruch ist sehr malzig, der Antrunk malzaromatisch mit ein wenig Hopfen. Die Rezenz ist angenehm mit wenig Kohlensäure, vom Hopfen ist fast nichts zu merken. Der Nachtrunk liegt noch lange kräftig Malzig mit leichten Röstnoten auf der Zunge. Alles in allem ein Bier ohne Ecken und Kanten, doch für ein echtes Schwarzbier etwas zu mild. Erinnert mehr an ein Münchner Dunkel, ist aber im Ganzen nicht schlecht. Mein nächster Weg hat mich dann mit der S-Bahn über Köpenick hinaus zur Berliner Bürgerbräu an den Müggelseedamm  geführt.
Hätte ich mich etwas früher Informiert hätte ich mir den Weg gespart. Berliner Bürgerbräu gilt zwar als älteste Brauerei Berlins doch seit dem Verkauf der Rechte an die Radebergergruppe bin ich mir sicher dass das Pils aus den selben Tanks kommt wie Berliner Pils oder Perliner Kindl Pils. So Wundert es nicht dass die Verkostung aufs Haar die selben Ergebnisse gebracht hat wie das Berliner Pils. Leider hatten sie dort im Brauhaus das Rotkehlchen nicht, so bin ich relativ bald wieder aufgebrochen, vor allem da bei der langsamen Bedienung ein zweites Bier zu lange gedauert hätte. Die Nächste Station war dann der Taproom der Vagabund Brauerei. Eine urige Kneipe in der Antwerpner Straße in Berlin Mitte. Die Liste der Biere auf der Tafel hinter dem Tresen, noch jede Menge anderer Biere aus der Flasche. Als ich einen Blick in die eigentliche Brauerei werfen konnte kam ich mir richtig heimisch vor. Meine große Anlage besteht auch aus drei Edelstahltöpfen, jedoch beheize ich meine mit Gas. Also habe ich mir mein erstes Bier an der Theke geholt, ein Haus Helles. Hierbei handelt es sich um ein Pale Ale mit sahnigem, gut haltbarem Schaum und goldgelber Farbe das leicht Trüb ist. Ein Geruch ist fast nicht Wahrnehmbar, der Antrunk ist etwas fruchtig, leicht für ein Pale Ale. Die Rezenz ist angenehm Lebendig, das Ale hinterlässt eine feinherbe Note auf der Zunge. Soweit kein schlechtes Bierchen, aber für mich auch kein Highlight. Das Zweite war ein Pina Colada Spiced Ale, das etwas kräftiger daher kam. Der sahnige Schaum überkrönt ein Bernsteinfarbenes Bier das gleichmäßig trüb ist. Vom Geruch nimmt man deutlich Hopfen und Ester war. Der erste Schluck schmeckt im Antrunk würzig fruchtig, die Rezenz ist angenehm, schwer zu Beschreiben. Im Nachtunk bleibt das feinherb fruchtige Aroma noch lange im Mund. War gut, etwas spezieller, aber ich mag sowas. Hier habe ich dann meinen Biertest abgeschlossen, bin in eine Bar gegnüber meines Hotels gegangen und hab mir noch ein paar Cocktails genehmigt. Man soll es ja mit dem Biertesten nicht übertreiben.