Berichte und Gedanken

Selbständig als Brauer ja oder nein?

Wer sich eine weile mit dem Bierbrauen als Hobbybrauer beschäftigt und auch schon viel Lob von seinen Bekannten erhalten hat für die Ungewöhlichen und Leckeren Biere, der wird auch den Gedanken an eine Selbständigkeit als Brauer ins Auge gefasst haben. Davon aber die Wenigsten als Haupterwerb, nein, nur so nebenbei um mal ein paar Flaschen zu Verkaufen oder das Bier öffentlich auszuschenken. Auch wenn das Finanzamt nach ein paar Jahren die Gewinnerziehlungsabsicht verneint und das Ganze als Liebhaberei einstuft, ist das auch egal, ist ja wirklich nur Liebhaberei. Ich habe mir das auch schon hin- und her überlegt. Also Platz wäre bei mir ausreichend vorhanden. Auf dem ehemaligen Bauernhof findet sich schon eine Ecke die für diesen Zweck hergerichtet werden kann. Was mir mehr Sorgen macht ist die Vermarktung des Bieres. Welchen Bedarf gibt es in der Umgebung? Im Umkreis von zirka 10 Kilometer sind zwei alteingesessene Brauereien die beide gutes Bier herstellen. Doch bei uns in der Gemeinde gibt es zur Zeit keine Brauerei mehr. Hier würde sich eigentlich anbieten die Marke der ehemaligen Brauerei zu Übernehmen. Man müsste halt mit dem ehemaligen Besitzer und Braumeister sprechen. Ein Problem wäre, dass die Brauerei keinen guten Ruf hatte, so als Kopfwehwasser oder Sandlertrunk verschrien. Die andere Möglichkeit wäre die Eröffnung einer Art „Zeuglstube“, also eines Ausschanks der alle 4 bis 6 Wochen für ein Wochenende öffnet und dann zum Bier noch kleine Brotzeiten anbietet. Hier ist sofort das nächste Problem mit den Sanitären Anlagen die eingebaut werden müssen, eine Küche für die Essensbereitung und eine Heizung um den Bereich auch im Winter nutzen zu können. Ferne ist das alles auch nicht alleine zu bewerkstelligen. Als Junggeselle würde ich hier zuverlässige Hilfe brauchen. Ihr merkt, ich bin nicht auf das Thema Bierbrauen eingegangen. Für mich ist das auch das geringste Problem. Bei Polsinelli   kann ich mir eine 200l Brauerei mit Gärbehältern und Brennern für unter 5000€ zusammenstellen. Mit etwas handwerklichem Geschick und guten Freunden kann man damit eine halbprofessionelle Anlage mit gutem Ausschlag haben. Zum Anfangen hätte ich noch meine Töpfe und Zubehör für so 60l pro Sud, welche ich ohne Investition nehmen könnte. Auch die Kühlung ist kein Problem seit ich mir dieses Jahr eine gebrauchte Kühlzelle gekauft habe. Die will ich noch mit einem Inkbird und einem kleinen Heizlüfter als Gärkellerersatz herrichten.

Die Gesellschaftsform einer gewerblichen Kleinbrauerei

In Deutschland bietet sich seit 2008 die Rechtsform der UG an, da bei der klassischen GBR oder bei der Personengesellschaft der jeweilige Eigentümer mit seinem gesamten Vermögen haftet, bei der UG, einer kleineren Version der GmbH, ist die Haftung auf das Einlagekapital beschränkt. Die UG wird bis auf geringfügige Abweichungen wie die klassische GmbH gegründet. Die Firma muss die Bezeichnung „Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)“ oder „UG (haftungsbeschränkt)“ führen (§ 5a GmbHG). Das Weglassen der Klammern oder Umformulierung von „haftungsbeschränkt“ in z. B. „mit beschränkter Haftung“ ist nicht zulässig. Die im Gesellschaftsvertrag festgelegten Nennbeträge der Geschäftsanteile der Gesellschafter – das sogenannte Stammkapital – müssen nach der Gründung und vor der Anmeldung zum Handelsregister (§ 5a Abs. 2 GmbHG) erbracht werden, damit die UG eingetragen wird. Das Stammkapital muss mindestens einen Euro betragen. In der Gründungspraxis werden meist Beträge bis zu 1000 Euro gewählt, was aber die Bonität der Gesellschaft beeinträchtigen kann. Ab 25.000 Euro wird keine UG mehr gegründet, sondern eine GmbH im ursprünglichen Sinne (§ 5a Abs. 1 S. 1 GmbHG). Im Gegensatz zur GmbH sind bei einer UG keine Sacheinlagen zulässig. Das Stammkapital muss sofort in voller Höhe als Bareinlage eingezahlt werden (§ 5a Abs. 2 GmbHG). Ist Kapital in Höhe von 12.500 Euro vorhanden, kann damit entweder eine UG (haftungsbeschränkt) mit Stammkapital von 12.500 Euro gegründet werden oder eine GmbH im ursprünglichen Sinne, bei der nur die Hälfte des Stammkapitals von mindestens 25.000 Euro einbezahlt werden muss. Der Unterschied liegt im Insolvenzfall: Bei der GmbH besteht die Pflicht der Gesellschafter, den Fehlbetrag zu 25.000 Euro Stammkapital noch zu erbringen, in der UG hingegen nicht. Die UG kann bei einem Notar mit einem Musterprotokoll gegründet werden. Die Eintragung mit Geschäftsführerbestellung ist hierbei relativ Günstig und sollte mit so 300€ erledigt sein. Wichtig ist in meinen Augen auch, von Anfang an einen Steuerberater seines Vertrauens ins Boot zu holen. Für mich wäre das aus dem Grund wichtig dass für den Fall dass irgend etwas total schief geht ich nicht alles verliere sondern nur die UG pleite geht. Da man als neue UG von den Banken nur Geld kriegt wenn man als Geschäftsführer oder Gesellschafter persönlich dafür bürgt sollte eine Überschuldung hier keine Rolle spielen.

Die Verwendung von Gaskochern in geschlossenen Räumen

Wenn man die Einkocherklasse als Hobbybrauer verlässt stellt sich die Frage wie man dann Brau- und Kochkessel beheizt und wie man den Nachguss mit 78°C in ausreichender Meng zur Verfügung hat. Bei Vagabundbräu in Berlin habe ich gesehen dass die sich mit Induktionskochern der Profiklasse behelfen. Diese sind in Leistungen bis 8kW auf dem Markt (wahrscheinlich noch höher aber dann kommen wir auf Preise die auch für ein Kleingewerbe nicht unerheblich sind).  Hier kann der Gaskocher seine Stärke ausspielen. Leistungen um 10kW sind hier für billiges Geld zu haben, jedoch ist hier ein entscheidender Unterschied: die billigsten haben keine Zündsicherung was ihren Einsatz in geschlossenen Räumen ausschließt, da hier unbemerkt Gas austreten kann was zu schweren Unfällen bis zu Erstickungen führen kann. Ich verwende zur Zeit einen 9kw und für den Nachguss einen 7,5kw Hockerkocher. Beide sind günstige Varianten, der 9kw hat jedoch eine Zündsicherung. Hier hatte ich am Anfang bedenken wegen der Stabilität der Blechuntergestelle. Da ich keine Lust verspürte mit 65l kochender Würze hier Experimente zu machen habe ich ein 120l Regentonne auf jeden der Kocher gestellt und diese voll Wasser gemacht. Auch mit Rütteln und Schieben haben die Kocher die Belastung ausgehalten. Mit diesem Equipment braue ich nur in einem Bereich in dem der Wind ungehindert durchblasen kann, für geschlossene Räume würde ich das als nicht tauglich ansehen. Als Vorbereitung auf meinen eventuelle Professionalisierung will ich mir zwei Profihockerkocher mit VA-Untergestell zulegen. Den einen mit 10kw, den anderen mit 14kw. Bei der Aufstellung der Geräte ist darauf zu achten, dass der Raum über eine ausreichende Be- und Entlüftung verfügt, da bei gleichzeitigem Betrieb der beiden Kocher auch viel CO² entsteht. Der Untergrund für die Aufstellungen muss hitzebeständig sein, auch leicht zu Reinigen ist kein Fehler. Hierbei werde ich auf ein VA-Blech setzen das auf Betonsteinen montiert wird. Beide Kocher sollten nicht zu nahe an der Wand stehen, da um die Töpfe durch die heißen Verbrennungsabgase relativ hohe Temperaturen entstehen. Also Kabelkanäle, Leitungen Aufputz oder Kunststoffwasserleitungen sind immer gefährdet. Also hier genügend Abstand halten oder einen Schutz installieren dass hier nichts passiert. Werden die Töpfe mehr als 100l groß so muss wahrscheinlich der Kocher durch ein VA  Unterstützungsgestell  entlastet werden. Ist all das erfüllt sollte dem Brauen mit Gas nichts im Wege stehen. Die 11kg Gasflaschen kriege ich vom örtlichen Baumarkt zu einem vernünftigen Preis + Pfand. Hat für mich den Vorteil dass ich schnell mal eine Flasche holen kann wenn die alte mitten im Brauprozess ausgeht. Wie viel Gas in der Flasche ist lässt sich ganz einfach feststellen da auf jeder Flasche das Taragewicht steht. Wiegt man die Flasche nun auf einer Personenwaage so kann man vom Ergebnis das Tara abziehen und hat dann die Menge an Gas in kg. Im Typenblatt des Kochers ist die Menge angegeben die das Gerät in der Stunde verbraucht. Da man ja seinen Brauprozess abschätzen können sollte (Heizzeiten, Rasten, Kochdauer, Heizen Nachguss) kann man überschlägig berechnen ob die Gasflasche noch reicht. Beide Kocher betreibe ich an einer Gasflasche mit Hilfe eines Verteilers nach dem Druckregler. Bisher klappt es gut mit meinem 50mBar Druckregler mit maximal 1,7kg/h Durchfluss. Bisher habe ich auch die Einstellung dass ich hier nicht noch Automatisieren muss. Bei den Rasten mit zirka 50l Maische hält die Temperatur relativ gut. Es reicht alle 15 Minuten mal zu schauen und bei Bedarf etwas nachzuheizen. Die Zwischenzeit verwende ich dann lieber zum Flaschen spülen oder ähnlichen Arbeiten die in der Brauerei immer anfallen.

Welche Marke für die Brauerei wählen?

Fast so wichtig wie das Bier ist ja heutzutage auch die Marke unter der man es vertreibt. Hier stellt sich mir die Frage ob ich im Falle einer Selbständigkeit oder eines Nebengewerbes meine eigene Marke auf den Markt bringe oder versuche eine Ehemalige Brauereimarke wieder zu beleben. Bei mir ist es der Fall, dass vor 20 Jahren die Brauerei zugemacht hat. Sie hatte zwar keinen guten Ruf für ihr Bier, aber bei vielen weckt die Marke noch Heimatgefühle. Ich will demnächst versuchen mit dem ehemaligen Besitzer und Braumeister ins Gespräch zu kommen. Im besten Falle ist er von der Idee angetan und Unterstützt mich mit Tipps und Brauprotokollen seiner ehemaligen Biere und lässt mir die Marke günstig. Schlechtesten falls hat er kein Interesse oder verlangt astronomische Summen. Hierbei ist immer noch die Möglichkeit über eine Recherche festzustellen, ob die Marke überhaupt noch belegt ist oder wieder frei zu haben. Das wäre die letzte Möglichkeit daran zu kommen. Aber als erstes werde ich mal das Gespräch suchen, meistens kann man hier mit einigen Flaschen Selbstgebrautem schon ein wenig die ersten Hürden abbauen. Mit den Markenrechten wäre noch keine Vepflichtung verknüpft, zur Not lässt man in einer befreundeten Brauerei mal etwas abfüllen und tritt rein als Händler auf.

Wie geht es weiter?

Zuerst mal gar nicht. Ich habe einfach zu wenig Zeit für so ein Wagnis. Da ich Beruflich häufig von Montag bis Freitag unterwegs bin spricht einiges zwar dafür mich Selbständig zu machen, aber das Meiste dagegen. Aber Aufgeschoben ist ja nicht Aufgehoben. Somit mache ich wieder so weiter wie bisher und braue noch das ein- oder andere Bier und freu mich auf das Ergebnis.