Passt ein Irish Red Ale nach Franken?

Ja, sicher passt das nach Franken, musst nur einen anderen Namen geben.

Eigentlich eine doofe Frage. Rotbier ist ja zur Zeit in Franken sehr beliebt. Man nehme nur mal das Rotbier das Stefan bei der Schanzenbräu braut. Als untergäriges Bier mit dem schönen Rotton kommt es als malziges Bier daher das nicht zu Mastig wirkt, ein guter Durstlöscher.

Auch von meinem Red Irish Ale wird man wenig anderes behaupten können. Auf meiner Anlage für 65l hab ich folgendes Rezept gebraut:

Schüttung: 10kg Wiener Malz, 1,8kg Münchner Malz, 1kg Karamalz Rot, 1kg Red X Malz, 1,2kg Melanoidinmalz. Die Basismalze habe ich von der Mälzerei Steinbach in Zirndorf, den Rest aus diversen Onlinebraushops.

Das Wasser habe ich zu 60% aus dem Osmosefilter mit 40% Leitungswasser verschnitten. Muss ich machen mit mehr als 21° Deutscher Härte. Unser Wasser ist so hart dass du damit Nägel in die wand schlagen kannst. 

Eingemaischt habe ich bei 55°C, danach 10 Minuten Eiweisrast. Danach 70 Minuten Kombirast bei 66°C. Vor dem Läutern noch auf 77°C hochgeheizt, Jodnormal festgestellt (solange ich noch Jod in der Flasche aus meinem Starterkid habe werde ich diesen Test machen). 

Im Anschluss habe ich dann 90 Min gekocht. Nach 30 Minuten die erste Hopfengabe 88g Tettnanger 3,6% Alpha, 30g Perle mit 8%Alpha. Die zweite Hopfengabe nach 80 Minuten mit 42g Williamette 4,5%Alpha und 15g Fuggels mit 4,4%Alpha. Nach dem Hopfenseihen mit etwas Wasser auf 12°Plato eingestellt, auf 24°C runtergekühlt und mit 2Pkg S04 im Gärtbottich angestellt. 

Nach 10 Tagen bei so um die 20°C war die Gärung durch und ich habe das Jungbier mit 450g Zucker in drei 30l KEG geschlaucht. Bitte keine Diskussion über das RHG, ich halte von diesem Lügen- und Werbegebot nicht viel. Den Zucker schmeckt kein Mensch danach, da er vollständig in Alkohol und CO² umgesetzt wird. Nach einer Woche bei zirka 20°C habe ich die KEGs in die Gefriertruhe gestellt und noch 4 Wochen bei 3°C reifen lassen.

Der Erfolg dieser Aktion war ein prima Bier das von vielen Seite gelobt wurde. Vor allem die Damen waren von diesem Bier begeistert. Manche Herren nur wegen meines Etikettes. 

Manche sprechen mich an ob ich noch was davon da habe, sie würden gerne der schönen Frau wieder in die Augen schaue. Wenn jemand diese Dame kennt oder weiß wer die Rechte an diesem Foto hat, ich würde sie ihm gerne Abkaufen.

Wie Speziell darf Bier sein?

Die derzeitige Craftbierbewegung und der Hype um sehr spezielle Biere hat viel Gutes. Es wird über Bier mehr Berichtet, nicht nur im Bezug auf das Reinheitsgebot sondern auch im Bezug auf „neue Bierstiele“. Hierbei wird das IPA als eine Art Stellvertreter ständig erwähnt, dabei ist das alles andere als neu, jedenfalls nicht in England. Der normale Biertrinker kann damit nicht so viel anfangen. Bei unsin Franken ist es so, dass es nicht nur Pilstrinker gibt. Viele trinken gerne mal ein Helles oder ein Weizen. Auch kenne ich einige die ihr Bier nach Lust des Tages bestellen. 

Bei meinem letzten Brauereifest hab ich es wieder mal getestet. Siehe da, so wild ist es gar nicht. Als erstes wurde mein Pils leer, kurz darauf gefolgt vom Altbier und Weizen. Doch auch meinem IPA, das mit 70IBU doch sehr viel anders war als meine anderen Biere wurde von einigen meiner Gäste gerne getrunken. Hätte ich nie gerechnet dass hier 20 Liter weggehen. Mein sehr viel milderer Brown Porter ist auch gerne getrunken worden. Somit war von mir Festzustellen dass die Leute doch Experimentierfreudiger sind als Gedacht. Du musst ihnen nur ihr Etikettenbier wegnehmen und sie probieren lassen, dann wirst du und auch deine Gäste überrascht sein.

Wie ich zum Brauen kam

Wie manche Geschichten die das Leben so schreibt ist das auch ein Weg voll Irrungen und Kurven. Schon kurz nach meiner Meisterprüfung Anfang der Neunziger Jahre hatte ich Beruflich mit dem Bier brauen zu tun. Ich erstellte die Programme für CIP-Anlagen und ähnliches bei verschiedenen Brauereien. Nach dem die Firma pleite ging bin ich nach mehreren anderen Stationen wieder zu einer Firma für Brauereitechnik gekommen. Aber auch dort bin ich nicht auf die Idee gekommen mein eigenes Bier zu brauen. Erst bei meiner jetzigen Firma sprang der Funke über. Ein Kollege hat mich gefragt, da ich mich mit ihm schon häufiger über Bier unterhalten habe, ob ich eine Schrotmühle hätte, da er demnächst brauen will.

Die Idee hat mich nicht mehr losgelassen, also mal den Google fragen was im WWW so alles zu diesem Thema zu finden ist. Hier fand ich von Videos bei YouTube über diverse, teilweise wirklich brauchbare, Anleitungen bis hin zur Hobbythek  alles mögliche. Über Ebay bestellte ich mir dann mein erstes Brauset, ein obergäriges Helles. Das war mit geschrotetem Malz, einer Tüte Hopfenpellets, einer Tüte Hefe so wie diversen Gerätschaften bestückt, alles in einem Hobbock als Gärbehälter. Somit war die Grundausstattung vorhanden, nur noch die Raumfrage klären. Da ich auf einem ehemaligen Bauernhof wohne hatte ich bald die Idee die ehemalige Milchkammer, also der Raum in dem die Melkmaschine und der Milchtank gestanden haben.

Der größte Vorteil dieses Raumes besteht dabei darin, dass er bis auf 2m gefliest ist und über eine Bodenablaufrinne verfügt. Wie sich herausstellte ein großer Vorteil bei der Reinigung. Also habe ich in die ehemalige Milchkammer eine Arbeitsplatte eingebaut, zusätzliche Steckdosen mit separater Absicherung installiert und mir bei Ebay einen gebrauchten Einkochautomaten besorgt. Den Läuterbottich habe ich aus zwei Hobbocks gebaut, der eine bekam einen Hahn, der Andere Löcher mit 2mm in den Boden. Ich habe mir nicht Vorstellen können was das für eine Arbeit ist tausende von Löchern in den Boden eines Plastikeimers zu bohren. Somit waren die Vorbereitungen abgeschlossen und ich schritt zur Tat. Noch auf dem Hauptzollamt anrufen und dort wegen der Versteuerung nachfragen, dann stand nichts mehr im Wege.

Eines Samstags in der Frühe wurde dann mein erster Sud gestartet. Das Wasser wurde genau nach den Angaben im Rezept abgemessen und in den Einkocher gefüllt. Dann aufheizen, ständig mit dem Einkochthermometer die Temperatur geprüft. Nach einer gefühlten Ewigkeit waren dann die 55°C erreicht und das Einmaischen konnte beginnen. Also die Tüte mit dem Schrot aufschneiden und in das Wasser einrühren. Das Maischepaddel aus Kunststoff konnte hier seinen guten Dienst verrichten. Jetzt weiter auf 62°C aufheizen zur ersten Rast. Um ja nichts anbrennen zu lassen während der ganzen Zeit rühren. Immer wieder Temperatur kontrollieren und bei Bedarf nachheizen. So habe ich den ganzen Sud streng nach Rezept gefahren, stets darauf bedacht nicht den kleinsten Fehler zu machen da das Bier ja so empfindlich ist. Auch das Läutern ist ganz gut gegangen in meiner Version vom doppelten Oskar. Die Tüte Hopfen (fragt mich nicht was das für eine Sorte war) gleich bei koch-beginn zugegeben, scheint soweit alles ok. Doch auf einmal schaltet der Einkocher aus! Zum Reparieren ein blöder Zeitpunkt mit 23l heißer Würze. Da ist mir mein alter Tauchsieder eingefallen. Somit konnte ich mit dessen Hilfe das Kochen zu ende bringen.

Da ich keine Möglichkeit hatte den Sud schnell zu kühlen musste ich Ihn 24 Stunden zum Abkühlen stehen lassen. Heiß hab ich noch 3l Speise entnommen und in Plastikflaschen gefüllt. Am nächste Tag hab ich es mit dem Tütchen obergärige Hefe von Braupartner angestellt. Die erste Gärung war nach einer Woche vorbei, es hat sich im Gärspund nichts mehr gerührt. Somit habe ich meine 3l Speise aufgetaut und mit dem Rest gemischt. Dann folgte die Abfüllung in Bügelverschlussflaschen. Zur Sicherheit hab ich diese die ersten Tage immer wieder kurz das CO² abgelassen so dass mir keine Flasche platzt. Nach so vier Wochen dann die Probe mit Freunden. Was soll ich sagen, es hat geschmeckt! War nicht das beste Bier der Welt aber sehr gut trinkbar. Somit bin ich bei dem Hobby hängen geblieben, mach zwar jetzt vieles anders aber die Spannung auf das Ergebnis bleibt.